Weihnachtliche Visionen am Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg


Der Begriff der Vision weist sprachlich auf die Tätigkeit eines einzigen Sinnesorgans hin. Des Auges. Dass die Musiker des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums Bamberg Visionen auch musikalisch heraufbeschwören können, zeigte ihr Weihnachtskonzert am Abend des 20.12.2017 in der Oberen Pfarre. Das große Finale des Konzertes, die Aufführung des Werkes „Be thou my vision“ von John Rutter für Chor und Orchester, ließ die Ohren groß und die Augen wässrig werden. Die großartige Zusammenarbeit zwischen fast sämtlichen Musiklehrkräften sowie zwischen verschiedenen Musikensembles mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlichster Jahrgangsstufen ließen eine große Vision real werden.

Aber zurück zum Beginn des Konzertes:

Eröffnet wurde der Abend mit zwei Werken von Antonio Vivaldi: dem Konzert für zwei Violinen, herausragend vorgetragen von den Solistinnen Lilofee Anders und Vanessa Bieberstein, und dem Konzert für Violoncello mit der virtuosen Solistin Muriel Gleisner sowie dem Orchester unter der Leitung von Johannes Klehr.

Die sich musikalisch vielversprechend entwickelnden Schülerinnen und Schüler des Bläsernachwuchses unter der Leitung von Anna Schmitt trugen anschließend zwei mitreißende Interpretationen bekannter englischer Weihnachtslieder vor. Anknüpfend daran gab auch die Klasse 5a mit dem Lied „Wind through the olive trees“ ein traditionell englisches Weihnachtslied zum Besten.

Wohin einen musikalische Visionen führen können, zeigte eindrucksvoll die Bigband unter der Leitung von Florian Zeh mit M. Bürkis „Festival Day“ und M. Geislers „Hindenburg“. Besonders hervorzuheben ist die gefühlvolle Interpretation des Stückes „You raise me up“, mit der Gesangssolistin Lauren Goodley, die Begeisterungsstürme des Publikums erntete.

Die Variation „Nimrod“ von E. Elgar schildert ein Gespräch zwischen diesem und dessen Freund August Jäger, das die langsamen Sätze in Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, dem musikalischen Visionär schlechthin, zum Thema gehabt haben soll. Aus diesem Grund soll die Variation auch an den langsamen (zweiten) Satz aus Beethovens Klaviersonate Nr. 8, der Pathétique, erinnern. Bei der zartfühlenden Interpretation des Stücks durch das Orchester spürte man förmlich den musikalischen Zusammenhalt des Klangkörpers.

Visionär war auch, wie es den Drahtziehern F. Zeh, I. Köhler und J. Klehr gelang, verschiedene Kulturen in einen Konzertabend zu integrieren. So reichte die Programmauswahl von einem kastilischen Weihnachtslied „Brincan y bailan“, musiziert vom gemischten Chor der Mittel- und Oberstufe unter der Leitung von Irmingard Köhler, über ein traditionell schwedisches Thema arrangiert für Streichquartett, bis hin zu einem türkischen Percussionstück mit dem Namen „Tepé“, bei welchem der Name Programm war: Das türkische Wort „tepé“ bedeutet so viel wie „Hügel, Anhöhe, Erhebung“. So war auch die Musik. Das Stück begann im pianissimo, steigerte sich ganz langsam zum forte und kehrte wieder zum pianissimo zurück.

Fulminantes Finale des Konzertabends war das mit allen Beteiligten musizierte „Adeste fidele“, welches in Perfektion widerspiegelte, was Schulleiter Michael Strehler in seiner Begrüßungsrede bereits erwähnt hatte: Den Geist der Musik, der einen ganzen Schulkörper erfüllt. Wie könnte man schöner zeigen, welch starke Kraft musikalische Visionen entwickeln können und wie sie in der Lage sind, auch großen Gruppen von Menschen Richtung und Zusammenhalt zu geben.